Rassetypische Erkrankungen beim Irish Setter

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Ich bin keine Fachperson auf dem Gebiet der Tiermedizin. Ich versuche hier ein paar allgemeine Hinweise über rassetypische Erkrankungen zu geben. Meine persönliche Meinung fliesst hier mit ein.

 

Nach mehr als 40 Jahren Erfahrung mit der Rasse Irish Setter bin ich mir bewusst, dass es um die Gesundheit nicht zum Besten steht. Im Jahr 1975 zog der erste Irish Setter in unserer Familie ein - und verstarb mit vier Jahren an Magendrehung. Damals glaubten wir an einen Schicksalschlag. Heute weiss man, dass die Magendrehung eine erbliche Komponente hat und und in gewissen Hundefamilien gehäuft auftritt.

Gewisse Züchter (in allen Ländern) legen kaum Wert auf Gesundheit und Langlebigkeit. Diese Züchter sind gewillt, zum Erreichen von Ausstellungserfolgen und zur Bewahrung des von ihnen gewünschten "Typs" beide Augen zuzudrücken und mit Hunden zu züchten, welche aus gesundheitlich belasteten Linien stammen. Epilepsie, Herzerkrankungen, gewisse Krebserkrankungen, Lebershunt u.v.m. sind heute leider viel zu sehr in der Rasse verbreitet. In deren Zucht wird generell nach dem System  "Linienzucht" gezüchtet (eine Form der Inzucht) wobei gezielt eine Verwandtschaft zwischen Vater und Mutter angestrebt wird. Oftmals sind im Stammbaum sowohl auf Vater- als auch auf Mutterseite die gleichen (berühmten) Vorfahren zu finden. Erschreckenderweise sind diese Vorfahren oftmals "berühmte" Hunde, welche bereits mit 8 oder 9 Jahren verstorben sind (Herzversagen,  Magendrehung,  Krebs... ). Heute kann jeder Züchter den sogenannten Inzuchtkoefizienten einer Verpaarung errechnen lassen. Ein Wert von 25% wäre eine Verpaarung zwischen Bruder und Schwester, Verpaarung von Halbgeschwistern führt zu einem Wert von 12.5%.  Der Durchschnittswert des Inzuchtgrads der Rasse liegt in Grossbritannien bei etwa 13%, das ist ein sehr hoher Wert! Über viele Generationen hinweg wurden immer wieder verwandte Hunde verpaart, bis man nun wie etwa in Grossbritannien einen derart hohen Inzuchtgrad erreicht hat. Das ist nicht gesund. 


Ein weiteres grosses Problem ist die fehlende Offenheit unter Züchtern und Besitzern. Nicht selten wird der Todesgrund eines berühmten Deckrüden verschwiegen, da man dessen (und damit den eigenen) "Namen" nicht beschmutzen will. Eine ethisch vertretbare Zucht ist aber auf offene Information angewiesen.

Über die Jahre musste ich einsehen, dass in der Hundezucht Lippenbekenntnisse selten gleichbedeutend sind wie Taten. 

 

Rasse-Prädispositionen* und die Inzuchtproblematik

(*Prädisposition = medizinischer Zustand, der eine Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten wahrscheinlicher macht)

Es gibt Erkrankungen, welche in der gesamten Hundebevölkerung (alle Rassen und Mischlinge) etwa gleich häufig auftreten. So zum Beispiel Durchfallerkrankungen, Alterserscheinungen, Arthrose, uvm.

Dann gibt es jene Erkrankungen, welche in einer einzelnen Rasse häufiger vorkommen, als im Durchschnitt aller Hunde. Hier spricht man von Rasseprädispositionen oder Krankheitsveranlagung. Man nimmt an, dass diese Veranlagungen auch genetisch bedingt sind, da sie in einer definierten Population (=Rasse) häufiger vorkommen als im Durchschnitt aller Hunde. Oftmals sind diese Veranlagungen über Jahrzehnte unbewusst züchterisch gefestigt worden, als gezielt auf erwünschte Merkmale (v.a. Erscheinungsmerkmale, aber auch Verhaltensmerkmale) hingearbeitet wurde. 

 

In der heutigen Rassehundezucht wird das Schwergewicht meist auf das äussere Erscheinungsbild gelegt. Speziell Hundeausstellungen führen dazu, dass der Ausstellungstyp bevorzugt bewertet wird, und diese Siegerhunde später intensiv in der Zucht eingesetzt werden.  Gewisse Züchter prahlen mit Ausstellungsresultaten und beachten zu wenig die Gesundheit und Langlebigkeit der von ihnen gezüchteten Hunde. Ein erfolgreicher Deckrüde unterliegt bis heute keiner Deckbeschränkung und kann unzählige Male für Nachwuchs sorgen. Hier ist ein Umdenken nötig.
Seit Anfang des letzten Jahrhunderts wird in der Rassehundewelt auf "Reinheit" hohen Wert gelegt, es gab kaum mehr Einkreuzungen fremder Rassen. Der Ausstellungsring bestimmte den Modetrend - und die Züchter wollten Siegerhunde.

Beim Irish Setter sehen wir diesen Trend weltweit in den letzten Jahren sehr stark.

Das Bevorzugen einiger weniger Hunde in der Zucht führt dazu, dass die Zuchtbasis immer schmäler wird. Im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien ist die Welt viel kleiner geworden und es gibt kaum geografische Hindernisse. So sind die Irish Setter vom Show-Typus in Europa in den letzten Jahrzehnten immer stärker von den Englischen, Schwedischen und z. T. Amerikanischen Zuchtlinien beinflusst worden. Doch nicht nur die Showlinien sind von Inzucht betroffen: die Züchter der Arbeitslinien sind oft auch in diesem Denkmuster gefangen. So wird in Frankreich eine hohe Inzucht bei den Französischen Arbeitslinien zu Problemen führen.

Mit Inzucht meint man nicht 'nur' die Verpaarung von Bruder mit Schwester oder Sohn mit Mutter (Ja, das kam vor wenigen Jahren noch vor!)... man sieht leider nicht so selten Verpaarungen zweier Hunde mit dem gleichen (berühmten) Grossvater oder gar die Verpaarung einer Hündin mit ihrem eigenen Grossvater. Dazu kommen diverse Formen von etwas entfernterer Inzucht, welche erst ersichtlich wird, wenn ein 5 - Generationen Stammbaum betrachtet wird und feststellt, dass gewisse Hunde mehrfach auftauchen, dh die Zuchtpartner verwandt sind.


Als Züchter ist man bestrebt, möglichst "das Gute" in der Zucht zu festigen. Dieser Grundsatz wurde/wird uns von den "alten" Züchtern immer wieder eingetrichtert: die Rasse soll "verbessert" werden. Um dieses Ziel zu erreichen wurden nur die besten Hunde verpaart. Oftmals gab/gibt es  Verpaarung zwischen verwandten Hunden, immer in der Hoffnung, die "schlechten" Gene auszumerzen und nur die "guten" Gene zu erhalten und einen Siegrhund (in Show oder im Feld) zu züchten. Klingt logisch, nicht? Nur festigte man damit auch unerwünschte und unerkannte Veranlagungen und erhöhte über jede Generation den Inzuchtgrad der Hunde - mit katastrophalen Auswirkungen! Inzuchtdepression ist nicht nur ein Schlagwort sondern Realität. Hundezüchter sollten sich der negativen Auswirkungen von zu hoher Homozygotie in einer Rasse bewusst sein.

 

Eine Untersuchung im Auftrag des Britischen Kennel Clubs hat aufgezeigt, dass der Inzuchtkoeffizient der Rasse Irish Setter erschreckend hoch ist. Dies bedeutet, dass es in der gesamten Britischen Irish Setter Population kaum noch unverwandte Tiere hat. Wenn man bedenkt, dass Magendrehung und Epilepsie zwei der grössten Probleme der Rasse sind, dann wird klar, worauf ich hinaus will. Wie will man schwerwiegende Erkrankungen in einer Rasse ausmerzen, wenn alle Hunde miteinander verwandt sind?


Eine enge Zuchtbasis führt auf Dauer zu vielen gesundheitlichen Problemen. Leider weiss man heute, dass die über Jahrhunderte andauernde Linienzucht (Linienzucht = eine schwächere Form von Inzucht) zu einer genetischen Verarmung ALLER Rassen geführt hat. Homozygotie: Alle Hunde einer Rasse sind mehr oder weniger mit einander verwandt - auch wenn das erst in einem 10-Generationen Stammbaum ersichtlich wird. In der Wissenschaft gilt es als erwiesen, dass ein hoher Inzuchtgrad zur sogenannten Inzuchdepression führt. 
Wer sich hierzu weiterbilden möchte, findet im Internet und in der Literatur viele ausgezechnete Artikel. 
Hier ein Link zu einem Vortrag im Rahmen der Züchterfortbildung beim VDH (Deutscher Hundeverband)

Auch die Homepage der bekannten Tierärztin Dr. Irene Sommerfeld Stur kann ich nur empfehlen.
Ebenso ihr Buch RASSEHUNDEZUCHT - Genetik für Züchter und Halter. 

Wikipedia:

"Eine Inzuchtdepression ist die Reduktion der Leistung (Krankheitsanfälligkeit bei einem höheren Inzuchtkoeffizienten in der Population) von ingezüchteten Populationen. Sie tritt besonders in eingegrenzten Lebensräumen auf, in denen die genetische Variabilität einer Population eingeschränkt ist und ggf. ein genetischer Flaschenhals vorliegt. Dies ist unter anderem bei kleinen Tierpopulationen auf Inseln ihres Lebensraumes der Fall, die keinen Austausch mit anderen Inseln erlauben. In solchen Populationen können vermehrt Erbkrankheitenauftreten, siehe dazu auch Erbkrankheiten in endogamen Populationen.

Inzuchtdepression kann ebenfalls eine Folge von Zuchtprogrammen sein, bei denen immer wieder die gleichen ausgesuchten Pflanzen oder Elterntiere zur Zucht eingesetzt werden (z. B. Championzucht bei Rassehunden).

Aufgrund der Unteilbarkeit des Erbgutes auf der Ebene der einzelnen Allele kommt es zum Verlust von Allelen aus dem Genpool, die genetische Vielfalt und damit auch die effektive Populationsgröße reduzieren sich nach und nach. Es entsteht aufgrund der genetischen Einheitlichkeit der Population Inzucht auch zwischen nicht näher verwandten Paaren. Die Population kann degenerieren und anfälliger für Krankheiten werden. 

Unter bestimmten Bedingungen kann auch bei fortgesetzter Inzucht die Inzuchtdepression überwunden werden. Dieses Phänomen bezeichnet man als Purging...." 

 

Stand 31.12.2022 - in Arbeit. 

 

Weitergehende englischsprachige Information finden Sie hier: Irish Setter Health