Eine etwas andere Reise. März 2020


Freitag, den 28. Februar 2020

Tierarzt-Termin für die obligate Reisevorbereitung meiner Hunde: für die Einreise nach Grossbrinannien ist eine amtlich beglaubigte Wurmkur im Zeitraum von 24 - 120 Stunden vor Einreise erforderlich. Erstmals in der Tierarztpraxis stand ein Händedesinfektionsmittel bereit. In der Schweiz waren die ersten Fälle von Corona Virus Infektion bekannt geworden.

 

Sonntag, den 1. März 2020
Ich hatte Rasmus zur Nationalen Hundeausstellung in Münsingen gemeldet. Die Infektionskrankheit COVID-19 breitete sich von Italien her aus. Ich hatte kurzfristig entschieden, die Ausstellung doch nicht zu besuchen. Kurzfristig haben auch die Organisatoren den Anlass abgesagt. Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellte.

 

Montag, den 2 März 2020

Die Schweizer Regierung hatte kurzfristig die heute beginnende Basler Fasnacht abgesagt! Das gab es noch nie und war ein klares Zeichen, dass die Bedrohung ernst war. In der Schweiz wurden alle Ansammlungen ab 1000 Personen verboten.

Ich beschloss, bei meinen Freunden in Schottland nachzufragen, ob mein Besuch nach wie vor willkommen sei. Zu dem Zeitpunkt waren die Fallzahlen in der Schweiz bei 60 und in GB in tiefem zweistelligen Bereich. Schottland hatte keine COVID Fälle zu verzeichnen.
Eine vernachlässigbare Zahl, so schien es... Also würde ich resien.
Ich deckte mich nur vorsorglich mit Händedesinkfetionsmittel ein. 

 

Dienstag, den 3. März 2020

Abreise. Vor uns 1'500 km. Im Gepäck genug Hundefutter für drei Hunde für vier Wochen und der Papierkram mit allen gebuchten Überfahrten (Eurotunnel), Unterkünften (Kent, Schottland, den Highlands, Yorkshire und Frankreich) und allen Meldeunterlagen für diverse Prüfungen mit den Hunden. Die Hemreise war erst auf Ende März vorgesehen.
Ich hatte noch nie ein derart dicht gedrängtes Programm wie für das Frühjahr 2020. Im April hatte ich einen Termin zum Richten in Deutschland, danach zu den Frühjahrsprüfungen in Tschechien, schliesslich standen die Deutschen und Schweizer Prüfungen an. Es sollte alles anders kommen.

 

Mittwoch, den 4. März 2020

Ich hatte es vorgezogen, im Hotel in Kent (Süd-England) weder das Nachtessen im Restaurant einzunehmen, noch morgens in den Frühstückraum zu gehen. Ich wollte die Distanz zu meinen Mitmenschen zu wahren obwohl ich mir dabei reichlich hysterisch vorkam! Immerhin waren weder Reisebeschränkung noch sonstige Empfehlungen abgegeben worden. 
Um 6 Uhr in der Früh war ich auf Achse und erreichte um 14 Uhr Nachmittags schon mein erstes Ziel: den wunderbaren Strand in der Nähe von Berwick-upon-Tweed in Nordengland. Endlich konnten die Hunde ihre aufgestaute Energie ablassen. Sie rasten über den weiten Strand, unbändig vor Freude! Das war es, was uns so lange gefehlt hatte: nach der engen Schweiz die unendliche Weite und das Meer! Die Liebe zum Meer muss tief in meinen Genen verankert sein... 

 

Die nächsten zwei Wochen waren geprägt von Ausflügen an den Strand und Arbeit auf dem Moor. Die Grouse Zählungen sind ein wichtiger Aspekt bei der Betreuung der Moore durch die Jahgdhüter. Nur so haben sie einen Anhaltspunkt, wie sich der jährliche Bestand der Schottischen Moorhühner entwickelt. Im Frühjahr werden die Anzahl Paare auf eine Fläche gezählt, im Sommer die Zahl des Nachwuchses. Aufgrund dieser Zahlen können die Abschussquoten festgelegt werden. In einem schlechten Brutjahr wird der Bestand geschont. Für die Zählungen leisten die Setter und Pointer wertvolle Arbeit. 

 

Sonntag, 15. März 2020 
Während den zwei Wochen wurden die Nachrichten von Tag zu Tag bedrückender. Das Corona-Virus hatte Europa fest im Griff und die Fallzahlen in Grossbritanninen stiegen rapide an. Mir schien, die Nachrichtensprecher am Britischen Fernsehsender BBC waren betont entspannt, während die Nachrichten aus Italien und Frankreich immer bedrohlicher wurden. Ich verfolgte egspannt die Nachrichten aus der heimat und realisierte, dass von Grenzschliessungen die Rede war. Bald wurde mir klar, dass mein geplanter Aufenthalt und die Prüfungswoche in Nord-Schottland nicht realisierbar waren. Noch zögerte ich, das Land fluchtartig zu verlassen... zu sehr wollte ich die Tage mit den Hunden auf dem Moor genissen. Doch der Ernst der Lage wurde von Tag zu Tag klarer. Am Montag, 16. März wurde das Auto beladen und am Dienstag, 17. März, dem Tag des Lockdown in Frankreich, war ich bereits auf dem Heimweg von Kelso nach Folkestone für die Rückfahrt durch Frankreich in die Schweiz. Doch würde mich Frankreich durchreisen lassen? Ein Moment der Panik entstand, als ich auf einer englischen Raststätte mit der Schweizer Botschaft Kontakt aufnahm: sie wussten nicht, ob ich durch Frankreich fahren könne - aber in die Schweiz einreisen düfe ich auf jeden Fall... Gut. Nun folgte eine kleine Hektik. Schliesslich konnte Thomas in der Schweiz die Französische Botschaft kontaktieren und wurde informiert, dass ich mit einem amtlichen Formular durch Frankreich fahren dürfe. Glücklicherweise hatte ich noch eine Hotelübernachtung im Süden des Landes gebucht, so konnte ich mir das Formular ausdrucken lassen. 

Am Mittwoch 18. März dann der Check-In beim Eurotunnel in Folkestone. Ich sah wie ein Auto nach dem anderen wenden musste. Miene Anspannung war riesig, doch nach einem kurzen Wortwechsel, Vorzeigen des amtlichen Formulars für Frankreich und Begründung meiner Einreise in die Schweiz wurde ich durchgewunken. "Vous pouvez passer, Madame" waren die erlösenden Worte an diesem Tag!
Die 700 km lange Fahrt durch Frankreich war ein Erlebnis ganz besonderer Art. In Frankreich hatte soeben ein strenges Lockdown begonnen. Die Strassen waren leer, niemanden durfte das Haus verlassen. Nur LKWs mit wichtigem Auftrag waren auf den Strassen. Die Gendarmerie machte an den Zahlstellen der Autobahn regelmässig Kontrollen. Wir wurden aber stets durchgewunken.

Die Erleichterung war gross, als ich schliesslich die Grenze am Zoll Basel / Weil überqueren konnte. Vom Zöllner wurde ich sehr freundlich als Heimkehrerin aus der Fremde begrüsst! Woher ich denn jetzt anreise? Auf meine Anwtort entsatnd ein kurzes, begeistertes Gespräch über die Schönheiten von Schottland. Er wolle im Mai auch nach Schottland in die Ferien, sagte mir der Zollbeamte. Er sei optimistisch, dass er seine Reise bis dahin antreten könne... 

Ich hoffe, dass der nette Herr irgendwann die Schönheiten von Schottland erleben darf!

Ende Juni 2020