Die Schweizer Bergwelt. Sommer 2020


Unsere Ferienpläne im Corona Jahr wurden mehrfach über den Haufen geworfen... So wurde im April die Reise nach Tschechien gestrichen und im Sommer mussten wir die Ferien auf der Schottische Hebrideninsel Lewis absagen. 
In der kurzen Zeit zwischen Öffnung der Grenzen und Reisefreiheit ohne Quarantäne in England oder Schottland schaffte ich es dennoch, mit den Hunden für die Grouse-Zählungen zu meinen Freunden nach Schottland zu fahren. Rückblickend ein enormes Glück, denn kurz darauf hat Schottland für einreisende Schweizer eine Quarantäne verordnet, und jetzt, Ende August, hat auch England wieder eine Quarantäne angeordnet.

So mussten wir uns überlegen, wo wir den heissen Sommer verbringen wollten: in der schönen Schweiz.
Wir verbrachten ein paar Tage in den Alpen und versuchten, der grossen Sommerhitze im Unterland von 30°+ zu entfliehen. Natürlich waren wir nicht die Einzigen mit dieser grossartigen Idee... Es war nicht ganz einfach, eine Unterkunft zu finden, in der unsere drei Hunde willkommen waren.  Im Hotel Roseg wurden wir fündig: ein wirklich hundefreundliches Hotel! Da sich das Hotel in einer verkehrsfreien Naturschutzzone befindet, mussten die Hunde mehrheitlich an der Leine sein. Trotzdem kamen sie auf ihre Rechnung, denn sie schleppten uns täglich die Berge hoch. Einzig die brave Annie durfte ohne Leine unterwegs sein, denn mit ihren 8 Jahren ist sie immer brav und lässt sich weder von Murmeltieren noch Reh vom schmalen Weg der Tugend abbringen. Für Kettu und Rasmus hätte ich die Hand nicht ins Feuer gelegt! Die zwei Burschen  waren somit immer im Brustgeschirr als unsere Zughunde tätig. E-Bike brauchen wir nicht, wir haben E-Rasmus!

Das Fazit: die Schweizer Bergwelt ist wunderschön, aber im Sommer von Gleichgesinnten wahrlich überlaufen. Mit den Hunden ist es bedeutend entspannter, wenn wir in den kühlen Norden fahren können, wo sie auf den weiten Stränden frei laufen dürfen. 

Sommer 2020


Die etwas andere Reise. März 2020


Freitag, den 28. Februar 2020

Tierarzt-Termin für die obligate Reisevorbereitung meiner Hunde: für die Einreise nach Grossbrinannien ist eine amtlich beglaubigte Wurmkur im Zeitraum von 24 - 120 Stunden vor Einreise erforderlich. Erstmals in der Tierarztpraxis stand ein Händedesinfektionsmittel bereit. In der Schweiz waren die ersten Fälle von Corona Virus Infektion bekannt geworden.

 

Sonntag, den 1. März 2020
Ich hatte Rasmus zur Nationalen Hundeausstellung in Münsingen gemeldet. Die Infektionskrankheit COVID-19 breitete sich von Italien her aus. Ich hatte kurzfristig entschieden, die Ausstellung doch nicht zu besuchen. Kurzfristig haben auch die Organisatoren den Anlass abgesagt. Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellte.

 

Montag, den 2 März 2020

Die Schweizer Regierung hatte kurzfristig die heute beginnende Basler Fasnacht abgesagt! Das gab es noch nie und war ein klares Zeichen, dass die Bedrohung ernst war. In der Schweiz wurden alle Ansammlungen ab 1000 Personen verboten.

Ich beschloss, bei meinen Freunden in Schottland nachzufragen, ob mein Besuch nach wie vor willkommen sei. Zu dem Zeitpunkt waren die Fallzahlen in der Schweiz bei 60 und in GB in tiefem zweistelligen Bereich. Schottland hatte keine COVID Fälle zu verzeichnen.
Eine vernachlässigbare Zahl, so schien es... Also würde ich resien.
Ich deckte mich nur vorsorglich mit Händedesinkfetionsmittel ein. 

 

Dienstag, den 3. März 2020

Abreise. Vor uns 1'500 km. Im Gepäck genug Hundefutter für drei Hunde für vier Wochen und der Papierkram mit allen gebuchten Überfahrten (Eurotunnel), Unterkünften (Kent, Schottland, den Highlands, Yorkshire und Frankreich) und allen Meldeunterlagen für diverse Prüfungen mit den Hunden. Die Hemreise war erst auf Ende März vorgesehen.
Ich hatte noch nie ein derart dicht gedrängtes Programm wie für das Frühjahr 2020. Im April hatte ich einen Termin zum Richten in Deutschland, danach zu den Frühjahrsprüfungen in Tschechien, schliesslich standen die Deutschen und Schweizer Prüfungen an. Es sollte alles anders kommen.

 

Mittwoch, den 4. März 2020

Ich hatte es vorgezogen, im Hotel in Kent (Süd-England) weder das Nachtessen im Restaurant einzunehmen, noch morgens in den Frühstückraum zu gehen. Ich wollte die Distanz zu meinen Mitmenschen zu wahren obwohl ich mir dabei reichlich hysterisch vorkam! Immerhin waren weder Reisebeschränkung noch sonstige Empfehlungen abgegeben worden. 
Um 6 Uhr in der Früh war ich auf Achse und erreichte um 14 Uhr Nachmittags schon mein erstes Ziel: den wunderbaren Strand in der Nähe von Berwick-upon-Tweed in Nordengland. Endlich konnten die Hunde ihre aufgestaute Energie ablassen. Sie rasten über den weiten Strand, unbändig vor Freude! Das war es, was uns so lange gefehlt hatte: nach der engen Schweiz die unendliche Weite und das Meer! Die Liebe zum Meer muss tief in meinen Genen verankert sein... 

 

Die nächsten zwei Wochen waren geprägt von Ausflügen an den Strand und Arbeit auf dem Moor. Die Grouse Zählungen sind ein wichtiger Aspekt bei der Betreuung der Moore durch die Jahgdhüter. Nur so haben sie einen Anhaltspunkt, wie sich der jährliche Bestand der Schottischen Moorhühner entwickelt. Im Frühjahr werden die Anzahl Paare auf eine Fläche gezählt, im Sommer die Zahl des Nachwuchses. Aufgrund dieser Zahlen können die Abschussquoten festgelegt werden. In einem schlechten Brutjahr wird der Bestand geschont. Für die Zählungen leisten die Setter und Pointer wertvolle Arbeit. 

 

Sonntag, 15. März 2020 
Während den zwei Wochen wurden die Nachrichten von Tag zu Tag bedrückender. Das Corona-Virus hatte Europa fest im Griff und die Fallzahlen in Grossbritanninen stiegen rapide an. Mir schien, die Nachrichtensprecher am Britischen Fernsehsender BBC waren betont entspannt, während die Nachrichten aus Italien und Frankreich immer bedrohlicher wurden. Ich verfolgte egspannt die Nachrichten aus der heimat und realisierte, dass von Grenzschliessungen die Rede war. Bald wurde mir klar, dass mein geplanter Aufenthalt und die Prüfungswoche in Nord-Schottland nicht realisierbar waren. Noch zögerte ich, das Land fluchtartig zu verlassen: zu sehr wollte ich die Tage mit den Hunden auf dem Moor genissen. Doch der Ernst der Lage wurde von Tag zu Tag klarer. Am Montag, 16. März wurde das Auto beladen und am Dienstag, 17. März, dem Tag des Lockdown in Frankreich, war ich bereits auf der Fahrt von Kelso nach Folkestone, bereit für die Heimfahrt durch Frankreich in die Schweiz. Würde mich Frankreich durchreisen lassen? Ein Moment der Panik entstand, als ich auf einer englischen Raststätte mit der Schweizer Botschaft Kontakt aufnahm: sie wussten nicht, ob ich durch Frankreich fahren dürfe - aber in die Schweiz einreisen dürfe ich auf jeden Fall! Gut. Nun folgte etwas Hektik. Schliesslich konnte Thomas in der Schweiz die Französische Botschaft kontaktieren und wurde informiert, dass ich mit einem amtlichen Formular durch Frankreich fahren dürfe. Glücklicherweise hatte ich noch eine Hotelübernachtung im Süden von England gebucht, so konnte ich mir das Formular ausdrucken lassen. 

Am Mittwoch 18. März dann der Check-In beim Eurotunnel in Folkestone. Ich beobachtete, wie ein Auto nach dem anderen wenden musste. Meine Anspannung war riesig, doch nach einem kurzen Wortwechsel und dem Vorzeigen des amtlichen Formulars für Frankreich mit Begründung des Transits in die Schweiz kamen die erlösenden Worte: "Vous pouvez passer, Madame!"
Die 700 km lange Fahrt durch Frankreich war ein Erlebnis ganz besonderer Art. In Frankreich hatte soeben ein strenges Lockdown begonnen. Die Strassen waren leer, niemanden durfte das Haus verlassen. Nur LKWs mit wichtigem Auftrag waren auf den Strassen. Die Gendarmerie machte an den Mautstellen der Autobahn regelmässig Kontrollen. Wir wurden stets durchgewunken.

Die Erleichterung war gross, als ich schliesslich die Schweizer Grenze Basel - Saint Louis überqueren konnte. Vom Zöllner wurde ich sehr freundlich als Heimkehrerin aus der Fremde begrüsst. Woher ich denn jetzt anreise? Auf meine Anwtort entstand ein kurzes, begeistertes Gespräch über die Schönheiten von Schottland. Er wolle im Mai auch nach Schottland in die Ferien, sagte mir der Zollbeamte. Er sei optimistisch, dass er seine Reise bis dahin antreten könne. Ich hoffe, dass der nette Herr irgendwann die Schönheiten von Schottland erleben darf!

Ende Juni 2020

Unten: die Hunde an unserem Lieblingsstrand